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Dicke Menschen sind faul. Sie bewegen sich zu wenig, haben keine Disziplin, sind einfach schwache Menschen. Auf dieses Vorurteil stoßen wir immer wieder. Und so beschäftigen wir uns mit unserer „Schwäche“, geben Geld dafür aus, rackern uns in Fitnesscentern und auf Sportgeräten ab, suchen die „wahre“ Ernährungslehre. Wir faulen, schwachen Dicken säen viel Geld, Zeit und Mühe (ein sicheres Zeichen für Faulheit, oder?) – und ernten Pfund um Pfund, das erst recht an uns hängen bleibt.

Auf einer meiner zwei Kuren in Aflenz (beide durchaus erfolgreich) hat eine Diätassistentin eine interessante Aussage getätigt:

„Im Grunde genommen ist es beinahe egal, welche Ernährungsumstellung man vornimmt, solange man dabei genau und bewußt beobachtet, was man zu sich nimmt.“

Dieser Gedanke hat mich eine Zeit lang sehr beschäftigt. Im Zuge der Selbstbeobachtung bin ich darauf gestoßen, daß ich deutlich mehr esse, wenn ich nach 23:00 Uhr schlafen gehe.

Ich nenne die daraus folgende Handlungsweise esoterisches Abspecken: Tu weniger, geh früher schlafen.

Schon der Prophet Brigham Young hat uns dazu einen Tipp gegeben:

„Jeder . . ., der sich Gesundheit und ein langes Leben wünscht, sollte lieber nicht die Arbeit von zwei Tagen an einem tun. Die Vernunft gebietet ihm, dem Körper nach ausreichender Anstrengung Ruhe zu gönnen, ehe er völlig erschöpft ist. Manche meinen, wenn sie erschöpft seien, brauchten sie ein Aufputschmittel wie Kaffee, Tee, Alkohol, Tabak oder ähnliche Drogen, die oft genommen werden, um die ermattenden Kräfte zu größeren Anstrengungen anzustacheln. Statt aber solche Aufputschmittel zu nehmen, sollten sie lieber ausruhen, um wieder zu Kräften zu kommen. Arbeitet weniger, eßt weniger, kleidet euch leichter, und wir werden ein sehr viel klügeres, gesünderes und wohlhabenderes Volk sein, als wenn wir so weitermachen wie bisher.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young, Kapitel 29)

Natürlich bin ich der Sache nachgegangen.

Meine erste Idee war, daß durch frühes Schlafengehen einfach nicht so viel Zeit zum Essen bleibt.

Das ist zwar wohl eine Tatsache, aber ich war noch nicht zufrieden.

So bin ich darauf gekommen, daß bei weniger Schlaf wohl mehr Energie notwendig ist, und daß der Körper dabei dann etwas übertreibt. Auch Frühkindliches kann hier mitspielen: Wenn man gelernt hat, dass jedes mal, wenn sich unwohl fühlt (u.a. durch Müdigkeit), Erwachsene einem was in den Mund stopfen. Müdigkeit ist nicht gerade Wohlgefühl, und schon gibt es eine Verbindung, die immer wieder aktiv wird, wenn wir uns nicht wohl fühlen, bzw. wenn wir müde sind. Eine Verbindung, die uns ein ums andere Mal zu Ströck, McD oder der Lieblingsernährungssünde Deiner Wahl führt.

Dieser Tage habe ich aber noch eine andere Verbindung gefunden:

Im Schlaf wird das Hunger-Hormon Ghrelin ausgeschüttet, im Schlaf das Sättigungshormon Leptin.

Mit anderen Worten: Zu wenig Schlaf führt zu Bärenhunger. Ausreichende Schlafmengen machen schneller satt ;-).

So lässt sich nun sagen: Manche von uns Dicken sind nicht faul, sondern, im Gegenteil, viel zu fleißig.

(Natürlich sind da auch schon andere lange auf diesem Zug. Eine der Methoden, die sich darum gebildet haben, ist Schlank im Schlaf. Auch dieser Artikel ist interessant.)